Es glänzt nicht alles, was gold ist…

Lilli Hollunder Goldene Blogger Berlin

Ein sehr weiser Mensch sagt immer: Bleibe in Bewegung, geh raus und gib dir Mühe, dann passiert Gutes! Der weise Mensch, das bin ich. Aber manchmal, manchmal da sollte man einfach auf der Couch bleiben…

Als ich vor ein paar Wochen die E-Mail der „Goldenen Blogger“ erhielt, freute ich mich wie ein Schneekönig.

Ich war nominiert!

Mein Blog wurde von einem Umfeld wahrgenommen, das sich nach eigenen Angaben ernsthaft mit der Materie auseinandersetzte und nicht einfach nur hübsche Fotos likte.

Was für eine Ehre für meinen noch so jungen Blog!

Da stand es außer Frage, dass ich der Einladung zum „einzigen bereichsübergreifenden Social-Media-Preis Deutschlands im Rahmen einer Gala“ nach Berlin folgte (siehe www.die-goldenen-blogger.de). Doch dass die Gala ein Griff ins Klo werden würde, konnte ja keiner ahnen….

Alles begann mit der Vibration einer der Wagons. Auf 30 Minuten Inspektion des besagten Wagons folgte die Weiterfahrt mit halber Geschwindigkeit.

Im schönen Hagen hieß es dann: „Alle aussteigen!“

So kam ich mit zwei Stunden Verspätung endlich in Berlin an.

Dort erwartete mich auf dem Boden meines Hotelzimmers ein gelbes Wattestäbchen . Ein schlechtes Omen?

Tja, manche Dinge stehen einfach unter keinem gutem Stern…

In der Location angekommen, bat mich das nette Kamerateam von „Promiflash“ um ein Interview.

Da ich niemanden kannte, fragte ich danach die Journalisten, ob sie sich hier in der Blogger/Internet-Szene auskannte. Antwort: „Nein, kenne nur dich. Du bist Nummer 1 auf meiner Interview-Liste.“

Um jottes Willen, dachte ich amüsiert.

Aber das sollte ja nichts heißen. Gut gelaunt mischte ich mich unter die Gäste und versuchte Kontakte zu knüpfen.

Kurz darauf fragte mich eine Frau, ob ich Fashion-Bloggerin sei.

Ich, ausgerechnet ich, lachte ich in mich hinein.

Dann kam mir der Gedanke: Warum hatte ich heute eigentlich keine Sneakers angezogen? In meinem lässigen Jumpsuit mit meinen schlichten Keilabsatz-Schuhen war ich vollkommen overdressed auf der Gala im Base-Camp von Telefonica (Bitte fragt mich nicht, was das ist. Ich weiß es bis heute nicht!).

Aber immerhin. Der Gastgeber kündigte in seiner Eröffnungsrede ein paar Aufwärmspiele an.

Meine Haut begann schlagartig zu jucken.

Zur Preisverleihung sollten wir dann alle mit dem Aufzug runterfahren und schnell einen Platz im großen Saal reservieren. Leider gab es keine Plätze mehr, die es zu reservieren galt. So nahmen Kumpel Axel (Kumpel und Social-Media Berater) und ich am Brezel Tisch Platz.

Dann begann die Preisverleihung. Ich war nominiert in der Kategorie „Bester Newcomer Blog“.

Aufgerufen wurde ich als Schauspielerin und Spielerfrau (Mir war nicht klar, dass es jetzt doch langsam eine offizielle Berufsbeschreibung ist.) und meinen Namen hatten sie auch falsch geschrieben:

Lilli Hollunder Name Preis

Der Moderator fasste zusammen: „Ein wirklich interessanter Blog. Besonders spannend fand ich die letzten drei Punkte in deinem Lebenslauf: In einem ausländischen Kinofilm mitgespielt, geheiratet und jetzt Bloggerin.“

Was sagt das über meinen Blog aus? Das war eine großartige Charakterisierung, die einfach gar nichts wiedergab!

So schnell platzte meine Seifenblase, um das echte Interesse an meinen Texten. Im Gegenteil, ich fühlte mich in eine Schublade gesteckt und pauschalisiert. Dann hielt er mir das Mikro vor das Gesicht. Was sollte ich dazu sagen?

„Ja, da habe ich ja alles erreicht, was man erreichen möchte.“ Ich konnte die Euphorie einfach nicht faken.

Wir drei Nominierten standen auf der Bühne und warteten auf die Bekanntgabe des Gewinners.

Aber was mich wirklich am meisten ärgerte bzw. enttäuschte: Der Gewinner wurde durchs Publikum entschieden. Leute, die kein einziges Wort von den drei Blogs kannten, beurteilten unsere Arbeit.

Gut für meine beiden Konkurrenten, dass sie ca. 20 Freunde dabei hatten.

Ich hatte Axel.

Dann wurde gemessen bei wem das Publikum am lautesten tobte und applaudierte.

Ich kam mir vor wie im Tiger-Enten-Club.

Es fehlte nur noch, dass sie mit den Füßen trampelten.

Schön. YAY! Ob ich gewonnen habe? Was glaubt ihr?

Natürlich nicht.

Der Typ links neben mir hat gewonnen.

Ich bin danach wieder an den Brezel-Tisch gegangen. Axel und ich haben dann auf den richtigen Moment gewartet, in dem ein Musik Act kam, um schnell einen polnischen Abgang hinzulegen.

Leider, leider haben wir das Wer-baut-am-schnellsten-einen-Bauklötze-Turm-Spiel verpasst. Ärgerlich.

Ich bin mir sicher, dass sich die Veranstalter große Mühe gegeben haben. Ich finde die Idee hinter dem Preis super.

Die Arbeit und das Herzblut von Menschen zu würdigen, die nicht kommerziell ausgerichtet agieren, ist gerade heute im Zeitalter von der Ich-habe-was-was-du-nicht-hast-Mentaltität total sinnvoll. Jedoch ist das in der Umsetzung, aus meiner Sicht, nicht gelungen.

 

Fotos: Privat

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3 Kommentare

  • Beantworten
    Jochen Weicker
    1. Februar 2018 um 20:45

    Liebe Lilli,
    da Du seit 1986 Social Media-Skeptikerin bist und Dich als Bloggerin ebenfalls im Social Media-Bereich bewegst, erhalte Dir nicht nur Deine Skepsis, sondern nimm auch die Erkenntnis wahr, dass Dein mieses Erlebnis in Berlin genau so eine Seifenblase war wie der ganze Rummel im „Netz“ eine solche ist.
    Konzentriere Dich auf Deine „Überqualifikation“ und Deine Verliebtheit, vertraue auf den Flug des Adlers, er führt Euch zum gemeinsamen Ziel …
    Herzliche Grüße aus Mainz,
    Jochen
    PS: freue mich auf Deinen nächsten Blog !

  • Beantworten
    Björn
    1. Februar 2018 um 21:07

    Hi,
    Danke! … sei froh das Du nicht mit Bauklötzen bauen musstest … wie ich 🤷‍♂️ Anschließend war ich dann raus. Egal, denn es wusste eh niemand worüber es in meinem Blog geht …
    Beste Grüße
    Björn

  • Beantworten
    Hauptstadtgarten
    1. Februar 2018 um 22:30

    Liebe Lilli,
    vielen Dank für Deinen Artikel. Besonders gut gefällt mir der Vergleich mit dem Tiegerenten-Club. Ich war auch da und durfte sogar das schreckliche Bauklötze-Spiel noch erleben. An dem musste nämlich mein geschätzter Gartenfreund (wegen dem ich eigentlich da war) unfreiwillig teilnehmen. Danach sind wir jedenfalls auch kopfschüttelnd gegangen. Freu mich aber, auf diesem Weg Deinen Blog entdeckt zu haben!
    Liebe Grüße,
    Caro

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