Die perfekte Spielerfrau

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Nein, ich bin sie nicht.

Zugegeben, ich bin nicht übel. Ich bin mit einem Bundesliga-Torwart verheiratet und stolze Besitzerin von drei Handtaschen, deren Designer ganz sicher nicht mit H&M kooperieren.

Auch findet man in meinem Regal ein paar ziemlich schicke High Heels. Ob ich auf denen laufen kann? Das ist hier nicht die Frage!

Ich bekoche meinen Mann, gehe brav zu allen Heimspielen, poste alle paar Wochen ein Selfie – von mir und meinem Mann, von mir und den anderen Spielerfrauen, von mir und Outfits, von mir und unseren Hunden, von mir und meinem Frühstück:

Mir, ich, mein, Filter, ich, just me, Hashtag, wer oder was…? Wie gesagt, schlecht mache ich den Job wirklich nicht, aber es gibt definitiv noch Luft nach oben.

Eine, von der wir Jung-Spielerfrauen sehr viel lernen können, ist jetzt Ex-Spielerfrau.

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Ich will keine Namen nennen.

Ich sage nur so viel: Sie ist bildschön und hat die wunderbarsten weißen Zähne, die man sich nur vorstellen kann.

Sie spricht in einem reizenden Akzent, verbringt die Hälfte ihres Lebens mit Paparazzi hinter den Büschen in ihrer eigenen Bikini-Kollektion am Strand und wenn gerade herauskommt, dass ihr Mann sie betrogen hat, tut sie das, was eine Spielerfrau in genau diesem Moment tun sollte – sie geht shoppen.

Nennen wir sie einfach mal: Sylvia.

Nach drei Jahren im Spielerfrauen-Geschäft hatte ich das große Glück, Sylvia noch kurz vor ihrem Absprung ein paar Mal live im Stadion erleben zu dürfen.

Neidvoll musste ich anerkennen: sie war nicht nur auf Fotos die Perfektion schlechthin.

Diese Frau wusste, wie man auf 20cm-Absätzen auch die steilsten Stadion-Treppen erklimmen kann. Haare, Make-up, Kleid – ein Traum.

Sobald sie in meiner Nähe war, fühlte ich mich klein und schmuddelig.

Die Mannschaft auf dem Rasen? Der Ball? Die Tore und die Zuschauer?

All das rückte in die Ferne, wenn Sylvia auf der Tribüne Platz nahm.

Game on.

Ich konnte den Blick nicht von ihr lassen. So viel hatte ich schon in Gala und Bunte über sie gelesen. Doch jetzt saß sie hier. Leibhaftig, nur ein paar Sitze von mir entfernt.

Sie wertete den Spielerfrauen-Käfig auf, zog uns hoch in den Olymp der Schönen und Berühmten.

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Alle Kameras richteten sich von nun an auf Hamburg, auf den HSV.

Vergessen waren die Jahre voll Schmach und Niederlage.

Denn wir hatten sie, den strahlenden, holländischen Stern.

Mit einer Eleganz strich sie ihre Strähnen aus dem Gesicht und flirtete mit den Kameras am Spielfeldrand.

So viel Anmut, so viel Expertise.

Selbst als der Gegner ein Tor schoss, ließ sich unsere Sylvia nicht aus dem Konzept bringen.

Professionell, wie nur sie es konnte, klatschte sie weiter und strahlte in die Kameras.

Ein kleines, zartes Lächeln. Nicht zu viel.

Sie wusste genau, wie viel Zähne man zeigen musste, damit es noch natürlich wirkte.

Dass es 0:1 für den Gegner stand, bekam sie erst nach einigen Minuten mit.

Aber was machte das schon?

Auch wenn sie heute eine Spielerfrau außer Dienst ist – man soll ja niemals nie sagen – musste ich mir eingestehen, dass sie die Mutter aller neuen Spielerfrauen war.

Die Victoria Beckham der Bundesliga.

Dank ihr ist unsere Spezies aus den deutschen Medien nicht mehr wegzudenken.

Ich kam nicht umhin mich zu fragen: Was fasziniert Deutschland so an den Frauen und Freundinnen seiner Fußballstars?

Und warum stehen wir Spielerfrauen nicht zu unserer Gattung?

Fußballer sind die Popstars von heute.

Alle Augen sind auf sie gerichtet: Welche Marken tragen sie? Welches Auto steht vor der Garage? Wer fährt mit Führerschein, wer nicht? In welchem Taxi wird wieviel Geld vergessen?

Schön und gut.

Doch mutieren die Spieler nur zu Accessoires, wenn es um ihre Frauen geht.

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Sie sind die eigentlichen Stars. Erst sie bringen den Glamour-Faktor ins Spiel.

Der Spielerfrauen-Kosmos ist eine Welt für sich. Er sorgt für Kopfschütteln, Lacher, Neid und Bewunderung zugleich.

Auf ihren Social Media-Profilen räkeln sich die Schönheiten um die Wette.

Die Männer mögen ihr Sprungbrett sein. Aber sind sie einmal abgesprungen, nimmt ihr Flug nur selten ein Ende.

Man findet sie in Klatschblättern, auf roten Teppichen. Sie zeigen uns tagtäglich ihre neuesten modischen Trends, sie moderieren, tanzen, bloggen und designen.

Sie haben alles und erleben die schönsten Dinge und lassen die Nation an ihrem Glück teilhaben.

Immer wieder beglücken sie ihre Follower mit geschickten Playback-Videos oder werfen ihnen liebevolle Küsse zu, die treuen Seelen.

Die Bundesliga ohne ihre Spielerfrauen? Nicht auszudenken!

Ein neues Berufsfeld hat sich aufgetan, das viele junge Mädchen anstreben. Dass dieser Job aber mit viel Arbeit und Disziplin verbunden ist, wissen die wenigsten.

Denn heute reicht es nicht mehr aus, als Spielerfrau nur gut auszusehen.

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Die Anforderungen an die jungen Frauen sind komplexer denn je.

So ist ein Hochschulabschluss nicht obligatorisch, aber dringend erwünscht.

Und was sie nicht alles ertragen müssen. Nicht selten sind sie fiesen Witzen ausgeliefert.

Daher sollten regelmäßig Interviews gegeben werden, in denen immer wieder betont wird, dass man den Begriff „Spielerfrau“ nicht mag, dass ein Gehirn vorhanden ist und man durchaus ein eigenes Leben führt.

Ich hingegen sage hier und jetzt: Die Nation braucht uns, sie will lachen und sich amüsieren.

Und warum denn auch nicht?

Es ist mir, Lilli Hollunder, bekennende Spielerfrau, eine Ehre, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

In den heutigen düsteren Zeiten, mit alltäglichen Schreckensmeldungen von Krieg, Terror und Trump, ist Lachen ein seltenes Gut geworden.

Es ist unsere Pflicht, unsere Bürde, die Augen der Zuschauer hin und wieder vom Rasen hoch auf die Tribüne zu lenken.

An alle Spielerfrauen und Spielerfrauen-Anwärterinnen: Erfüllt diese Arbeit mit Stolz!

Wir müssen uns weder schämen, noch rechtfertigen.

Denn wir sind Teil des Geschäfts. Wir sind Fußball!

Oder – was wäre schon ein Spieltag ohne Stadionwurst?

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Fotos: (der lustige) Klaus Heinzler

Traumhafte Kleider: Ella Deck

Danke auch an den SC Victoria Hamburg für die großartige Shooting-Location!!

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7 Kommentare

  • Beantworten
    Mein Glück
    3. Juli 2017 um 12:17

    „im ernst jetzt?“ ist wohl eine Herausforderung. Eine gelungene, glaube ich.

    Ich jedenfalls kann in dem Artikel Ironie und Ernst nicht unterscheiden und nur hoffen, dass Spielerfrau nicht wirklich ein neues Berufsbild für junge Mädchen sein soll.

    Wenn es Ironie ist… Ich glaube, dann verstehe ich die Aussage des ganzen Artikels nicht.

    Herausforderung nicht bestanden. Hilft mir jemand?

    • Beantworten
      Lilli Hollunder
      5. Juli 2017 um 22:45

      Über Humor lässt sich nicht streiten… aber ganz im ernst, nicht zu ernst nehmen 😉

  • Beantworten
    Claudi
    3. Juli 2017 um 18:57

    Wie immer sehr unterhaltsam!!! Mach bitte unbedingt weiter so!!! 🙂

  • Beantworten
    Vino
    4. Juli 2017 um 17:05

    Erfrischend, frech, lustig und nachdenklich. Klasse Blog. Finde Sie sollten unbedingt Vlogs machen.

  • Beantworten
    Klaus Henning
    6. Juli 2017 um 1:11

    Großartig! Ich liebe Selbstironie.
    Und Super-Schreibe. Wir wärs mit einem Krimi, „Tot auf der Massagebank“ oder „Die dunkle Seite des Co“ – oder so?

  • Beantworten
    Emily
    22. Juli 2017 um 10:25

    Ich liebe deinen Blog und dein Instagram, vorallem deine ehrlich Art und deine mega witzigen Instastories!! Normalerweise bin ich nicht so ein fangirl aber du bist der 🔨!

    • Beantworten
      Lilli Hollunder
      23. Juli 2017 um 22:45

      Ich werde gerade ganz rot…:))) Danke!!!

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