5 Dinge, an denen ich erkenne, dass ich auf die 100 zugehe

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Über die 10 denkt keiner nach, über die 20 freut man sich, bei der 30 macht man sich die ersten Gedanken, die 40 lässt einen innehalten, von der 50 möchte man nicht reden.

Ich habe vor einem Jahr, vier Monaten und 6 Tagen die 30 geknackt.

Wie jedes Jahr am 5. Mai hatte ich auch dieses Mal vier ganze Tage Geburtstag. Alle mir nahestehenden und nicht so nahestehenden Personen wurden Wochen vorher informiert und mit meiner Adresse für Blumen und Pralinen ausgestattet.

Wie immer bereitete ich mich gewissenhaft mit Hilfe einer Amazon-Wunschliste auf die bedeutendsten Tage des Jahres vor.

Doch dieses Jahr war etwas anders.

Während andere beim Tanz in den Mai feierten, lag ich wach und dachte über meinen immer näher rückenden Tod nach. So langsam betrat ich das Zeitalter von grauen Haaren, Falten und ersten Gedächtnislücken. Das Thema Brustkrebs ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Immer wieder musste ich meine perfekt geformten weiblichen Sinneshügel abtasten. Kein Wunder, hatte es ja einen Fall dieser Erkrankung in meiner Familie gegeben.

Ich riss mich mir zuliebe zusammen, verbannte diese hässlichen Gedanken und konzentrierte mich voll und ganz auf mich und mein Geburtstagswochenende.

Die anschließenden Tage waren ein voller Erfolg. Freunde kamen von weit her, die Menschen liebten mich mehr denn je, zahlreiche Kuchen wurden gebacken, Essen organisiert und Reden über meinen herausragenden Charakter gehalten.

Gut, Geschenke hätten es mehr sein können, aber ich hoffte, dass meine Mitmenschen aus diesem Fauxpas lernen würden. Gerade heraus wie ich war, legte ich ihnen ehrlich ans Herz, im nächsten Jahr die Anzahl noch einmal zu überdenken.

Wochen nach den Festlichkeiten war ich mir sicher, dass die 30 und ich uns bestens eingelebt hatten. Bis mich eine fünf Jahre jüngere Freundin fragte, ob ich mit ihr auf eine Party gehen wolle.

Als ich – natürlich – ablehnte mit dem Grund, ich müsse am nächsten Tag früh raus, weil der große Wochenend-Einkauf bevorstand, legte diese einfach auf, aber nicht ohne vorher noch schnell folgenden Satz loszuwerden:

„Boah, du bist so alt geworden!“

Frechheit! Regelmäßig wurde ich von Vertretern an der Haustür nach meinen Eltern gefragt.

Ich legte diese absurde Beleidigung ad acta und lebte mein Leben, vitaler denn je. Mein junges Ich ging zwei Mal die Woche 6km joggen. Nach 6,1km entzündeten sich meine Achillessehnen.

Drei, vier, fünf Übungen täglich reichten, um kaum noch Rückenschmerzen zu haben.

Die paar weißen Haare, die hier und da wie Antennen von meinem Kopf abstanden, riss ich raus. Zack, Problem erledigt!

Alt? Ich?

Ich war ein Jungbrunnen, eine frische Knospe, ein Babyvogel, der gerade erst dabei war fliegen zu lernen; ein knuddeliger Hundewelpe, süß, ballverrückt, stubenrein.

Obwohl das alles stichfeste Argumente waren, wurde mein geniales Hirn langsam und unauffällig von leisen Zweifeln unterlaufen. Und so begann ich mir selbst zu misstrauen.

Als ob mein Geist meinen Körper verließ, beobachte ich mich aus der Froschperspektive bei ganz alltäglichen Dingen. Nach einigen Wochen der Humanversuche an mir selbst, kam der Tag der Abrechnung.

Fazit: Ich war zwar noch kein Greis, aber der Alterungsprozess war im vollen Gange!

5 Dinge, an den ich erkenne, dass ich auf die 100 zugehe:

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1.

Ich werde zunehmend schwieriger was das Thema Essen angeht. Meine Freunde nennen mich mittlerweile Adolf, den Essens-Nazi. Nichts von dem, was man mir vorsetzt, ist perfekt und es gibt immer etwas zu verbessern. Ich sage dazu: Je suis un gourmet und mein Urteil ist Gesetz!

 

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2.

Früher habe ich Zeitschriften wie „ein Herz für Tiere“,  „Neon“ oder „Instyle“ gekauft. Heute kann ich es kaum erwarten bis die neue „Lust auf Genuss“ erscheint. Ein Glas Rotwein dazu und dann wird genüsslich geschmökert. Ich sage dazu: So komme ich runter.

 

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3.

Ich mag es praktisch. Daher habe ich mir im Baumarkt einen Kunststoff-Einkaufskorb gekauft. Die Sachen lassen sich furchtbar gut transportieren, wenn etwas ausläuft, kann man ihn ganz einfach reinigen und die Umwelt freut sich, weil man nicht jedes Mal neue Tüten kauft. Ich sage dazu: Solange ich noch keinen Einkaufstrolli hinter mir herziehe, ist alles noch im grünen Bereich.

 

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4.

Im hohen Alter muss man mehr und mehr Zeit in Punkto Zahnpflege investieren. Mit meiner neuen elektrischen Zahnbürste ist dies nun kinderleicht. Und mit dem praktischen Reise-Etui hat man selbst im Urlaub ein strahlendes Lächeln. Ich sage dazu: Cheese!

 

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5.

Weil ich mir nicht mehr alles merken kann, greife ich vermehrt auf die Hilfe von Siri zurück und diktiere ihr meine Notizen. Dabei erwische ich mich, dass ich mich Siri gegenüber im Ton vergreife. Meine arrogantes, erbarmungsloses Ich übernimmt die Macht, ich bin die Herrin von Siri! Und wehe Siri fragt nochmal nach, weil sie etwas nicht verstanden hat… Ich sage dazu: Gut, dass ich keine Angestellten habe.

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4 Kommentare

  • Beantworten
    Antonia
    11. September 2017 um 21:13

    Herrlich geschrieben. 😊 Ich werde bald 32 (😱) und fühle ähnlich. 😉 Viele Grüße

  • Beantworten
    Sandra
    12. September 2017 um 17:54

    Liebe Lilli, ich bin gar nicht so die Blog-Leserin. Du bist meine Ausnahme 😊 Bin jetzt 32 und kenne deine Gedanken sehr gut 😊 Sitze lieber mit einem Glas Wein auf der Couch als um die Häuser zu ziehen. Ausnahmen mache ich nur wenn eine 70-80-90 Party oder ähnliche Mottopartys stattfinden, da ich weiß, dass dort nicht unbedingt nur junges Gemüse rumrennt 😂. Ich finde deine Einträge immer herrlich offen und direkt. Bitte mache weiter so 😊

  • Beantworten
    Sandra
    12. September 2017 um 18:00

    Liebe Lilli, ich bin eigentlich gar keine Blog-Leserin, doch freue ich mich jedes Mal wenn ich sehe das du wieder einen Eintrag hochgeladen hast 😊 Wie immer herrlich offen und ehrlich. Kenne deine Gedanken nur zu gut. Bin 32 Jahre alt und genieße es mit einem Glas Wein auf der Couch zu sitzen als um die Häuser zu ziehen. Ausnahmen sind nur Mottopartys wo ich weiß, das dort nicht nur junges Gemüse rumtanzt 😊 Bitte mache weiter so 😊

  • Beantworten
    Sabine Männchen
    12. September 2017 um 18:27

    Liebe Lilli, wieder super toll geschrieben 👍👍👍ich 51 sage Dir aus eigener Erfahrung 30 ist das neue 20 . Du wirst sehen das jetzt die schönste Zeit in deinem Leben beginnt und statt findet !!! Weiter soooo 👍👍👍👍liebe Grüße Sabine

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